GLOSSAR
LOG-Material
Logarithmische Gamma-Kodierung, die den vollen Dynamikumfang des Kamerasensors in ein dateikompatibles Signal komprimiert. Flach, entsättigt, falsch — bis Sie es colorgraden.
Warum LOG existiert
Kamerasensoren erfassen 14–16 Blenden Dynamikumfang. Standardmäßiges Rec.709-Gamma fasst nur etwa 6–7 Blenden, bevor es klippt. LOG-Kodierung verteilt die Tonwerte mittels einer logarithmischen Kurve so, dass mehr vom Sensorumfang in die Bittiefe der Datei passt — ohne Schwarzen zu stauchen oder Spitzlichter ausfressen zu lassen. S-Log3 (Sony) platziert Middle Gray bei 41 IRE mit theoretisch 15+ Blenden Latitude. V-Log (Panasonic) mappt Middle Gray auf 42 IRE. ARRI Log C4 setzt ihn bei 40 IRE auf einer 0–109-IRE-Skala an. Die Spezifika unterscheiden sich je nach Hersteller, weshalb eine Sony-LUT auf Panasonic-LOG-Material ein deutlich falsches Bild erzeugt — die Kurven sind nicht austauschbar. LOG ist kein Look. Es ist ein Speicherformat für Dynamikumfang.
ETTR oder Middle Gray — wie belichtet man LOG richtig?
Die alte Regel lautete: ETTR (Expose to the Right), um das Signal-Rausch-Verhältnis in den Schatten zu maximieren. Bei LOG-Material bedeutet ETTR, dass das Waveform-Monitor die hellsten nutzbaren Spitzlichter bei etwa 75–80 IRE auf S-Log3 zeigt — nicht bei 100, da Clipping unwiederbringlich ist und LOG Spitzlichter stark komprimiert. In der Praxis belichten die meisten Kameraleute LOG bei oder leicht über Middle Gray (41–45 IRE bei S-Log3), da moderne Sensoren ausreichend sauberes Schattenrauschen bieten, um in der Post hochzuziehen. Der Anfängerfehler: eine LUT auf LOG-Material legen und es als fertig betrachten. Eine Log-to-Rec.709-LUT ist eine De-Log-Transformation, kein Colorgrading. Sie liefert ein flaches, tonal korrektes Bild. Die eigentliche kreative Arbeit — Kontrastformung, Hauttonverfeinerung, Himmelsfarbung — passiert nach dem De-Loggen. Wenn Ihre Pipeline LUT-rein, Export-raus ist, überspringen Sie den eigentlichen Sinn von LOG-Aufnahmen. Mit einem Standardprofil und 30 Sekunden Kontrastanpassung kämen Sie zu vergleichbaren Ergebnissen.
Related
LOG-Material — Häufige Fragen
Kann ich LOG auf 8-Bit-Kameras aufnehmen?
Technisch ja, aber Sie werden Banding bei Verläufen und Posterisierung in angehobenen Schatten sehen. LOG verteilt Tonwerte über begrenzte Bittiefe — bei 8-Bit erhalten Sie nur etwa 40–50 diskrete Werte für die Mitten statt 200+. Verwenden Sie auf 8-Bit-Kameras eher ein Standard- oder HyperGamma-Profil.
Auf welchem IRE-Wert sollten Hauttöne im LOG liegen?
Bei korrekt belichtetem S-Log3 liegen helle Hauttöne bei etwa 55–60 IRE. Bei V-Log ungefähr bei 56–62 IRE. Dunklere Hauttöne lesen niedriger ab. Das sind Richtwerte, keine Regeln — die Lichtverhältnisse sind wichtiger als das Treffen eines bestimmten Zahlenwerts.
Ist LOG besser als RAW?
Beide lösen unterschiedliche Probleme. RAW liefert unkomprimierte Sensordaten mit vollem Weißabgleich- und ISO-Spielraum. LOG ist bereits in eine Videodatei mit Gammakurve eingebettet. RAW ist flexibler; LOG ist speichereffizienter und schneller in der Postproduktion.
Brauchen Sie professionelle Unterstützung?
Flaches, graues Material braucht mehr als eine LUT. Wir colorgraden LOG korrekt — mit Skopes, mit Konzept, mit Blick auf das finale Delivery-Format.
Kostenlose Beratung anfordern